Presse

Das Rind als Ersatz-Mammut

Prof. Dr. Richard David Precht bei der Mitgliederversammlung der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft

Günther Felßner, Vorsitzender der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM), eröffnete die 59. Mitgliederversammlung am 9. November 2016 im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Gemeinsam mit Dr. Maria Linderer, Geschäftsführerin der LVBM, führte er durch das Berichtsjahr 2015. Dr. Elisabeth Viechtl richtete zudem, im Namen des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Wort an die Anwesenden. Als Gastredner konnte die Landesvereinigung den aus den Medien bekannten Philosophen und Publizisten Prof. Dr. Richard David Precht als Gastredner zum Thema „Moralisch essen – Genuss und Verantwortung“ gewinnen.

Chancen im Export
Günther Felßner eröffnete sein Grußwort mit den milchwirtschaftlichen Entwicklungen des Berichtsjahres 2015. Hierzu gehörten beispielsweise Themen wie das Ende der Milchquote, die Talfahrt des Milchpreises sowie die Produktionsmengen des vergangenen Jahres. Gleichzeitig machte Felßner die Verflechtungen des bayerischen Marktes im nationalen wie internationalen Markt deutlich, zeigte Chancen im Export auf und beschrieb das Engagement der Landesvereinigung, die Ausfuhr heimischer Produkte zu erhöhen. So berichtete der Vorstandsvorsitzende beispielsweise vom Gegenbesuch eines Vertreters der iranischen Lebensmittelindustrie, nachdem die Landesvereinigung erste Kontakte im Vorjahr knüpfen konnte.

Ein Milchmann für Bayern
Doch nicht nur das Image im Hinblick auf Export-Geschäfte sei wichtig. So merke die Branche nicht erst seit gestern, dass Milch und Milcherzeugnisse in die Kritik geraten seien. Die Rolle des neutralen Wissensvermittlers und anerkannten Milchexperten sei ein Alleinstellungsmerkmal, das der Landesvereinigung ermöglicht, verunsicherte Verbraucher einzufangen und darin zu bestärken, dass Milch und Milchprodukte zu einer ausgewogenen Ernährung gehören.
Zu diesem Zweck nutze die Landesvereinigung auch verstärkt eigene soziale Kanäle, unter anderem Instagram – hier ist Milchmann Willi für Milch & Co. unterwegs. „Mit unserem Milchmann Willi möchten wir vor allem landwirtschaftsfremde Personen erreichen, die oft in städtischen Gebieten leben. Diese Zielgruppe läuft besonders Gefahr, durch Mythen von Milchkritikern verunsichert zu werden. Er nimmt sie mit seinen Bildern mit ins Milchland Bayern, gibt regelmäßig Fitness- und Ernährungstipps“, erklärt Günther Felßner.

Dr. Maria Linderer ergänzte die Ausführungen des Vorsitzenden mit ihrem Tätigkeitsbericht und gab weitere Einblicke in aktuell laufende Projekte. Mit der einstimmigen Verabschiedung der Jahresrechnung 2015 wurden Vorstand und Geschäftsführung entlastet.

Interessierte finden den Milchmann hier: www.instagram.com/milchmann_bayern

Prof. Dr. Richard David Precht: „Moralisch essen – Genuss und Verantwortung“
Nicht wenige kennen ihn aus Talkshows oder haben eines seiner Bücher gelesen: Prof. Dr. Richard David Precht. Der Philosoph und Publizist spannte während seines Vortrags im Rahmen der Mitgliederversammlung einen weiten Bogen von der Notwendigkeit politischer Ökonomie, über die Ernährungsweisen unserer allerersten Vorfahren hin zur Massentierhaltung und Züchtung von Steaks im Reagenzglas. Richtig gelesen: Fleisch, das aus den Stammzellen von Rindern gezüchtet wurde. Wissenschaftler hatten diesen Versuch vor drei Jahren gewagt und laut Precht läge hier die Zukunft: Fleisch konsumieren ohne dass Tiere sterben müssten. Spätestens wenn Kinder mit dieser Idee aufwachsen, sei sie nicht mehr aufzuhalten und es ginge nun darum, bei diesem Geschäftsmodell mitzumachen und Einfluss zu nehmen oder das Feld anderen zu überlassen. Analogien sieht der Philosoph hier zu den Entwicklungen der Digitalwirtschaft, die hauptsächlich von US-Firmen bestimmt werde.

Warum Menschen so ticken, wie sie ticken begründet Precht unter anderem in den drei Ersatzreligionen: Liebe, Ernährung und Gesundheit. „Je mehr ich in mich hineinhorche, umso mehr Krankheiten finde ich“, erklärt der Gastredner. Direkt damit verbunden sei die ansteigende Zahl von Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz oder Trendernährungsweisen wie die derzeit angesagte Paleo-Diät, auch bekannt als Steinzeit-Ernährung. Erlaubt sind nährstoffreiche Lebensmittel, z.B. in Form von Nüssen, Fleisch, Gemüse und Eiern. Nicht erlaubt sind unter anderem Milch und Milchprodukte. Grundlage dieser Diät sei die Vorstellung, dass der Mensch ein Jäger sei und das Rind stelle laut Precht das heutige „Ersatz-Mammut“ dar – für den Philosophen handelt es sich hierbei um eine Fehlannahme. Diese Auffassung von steinzeitlicher Ernährung habe nicht viel mit menschlicher Ernährung zu tun. 

Ist es nun richtig Fleisch zu essen oder nicht? Laut Precht eine kulturelle Frage, die von der Beziehung zu Tieren abhänge. So unterscheiden sich die Einstellungen zwischen Land und Stadt recht deutlich. Werden Tiere von Städtern eher als Haustiere angesehen, gelten sie auf dem Land klar als Nutztiere.

Interessierte lesen mehr von seinen Thesen in seinem neuesten Buch „Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“, erschienen im Goldmann Verlag.

Bildunterschrift: (v.l.n.r) Milchprinzessin Eva-Maria Bäuml, Prof. Dr. Richard David Precht, Vorsitzender der LVBM Günther Felßner und Milchkönigin Susanne Polz.

Bildquelle: Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft; LVBM
Abdruck honorarfrei
Belegexemplare erbeten 

Downloads:

Zum Speichern bitte mit der rechten Maustaste klicken und "speichern unter" auswählen.

Für Rückfragen:

Julia Christiansen
Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Telefon +49 (0)89 544225-25
j.christiansen@milchland-bayern.de

 

Schauen Sie mal hier!